Steak, Kotelett, Lammkoteletts, Hähnchenschenkel und Bratwürste auf dem Holzkohlegrill

Fleisch Kerntemperatur: Alles wissenswerte für Rind, Schwein, Geflügel, Lamm und Wild

Written by: Daniel Kiefer

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Die richtige Fleisch Kerntemperatur hängt von zwei Fragen ab: Von welchem Tier stammt das Fleisch, und liegt es am Stück oder als Hack vor? Rind, Kalb und Lamm am Stück dürfen rosa bleiben, ein Rindersteak ist bei 56 bis 58 °C medium. Hackfleisch, Bratwurst und Geflügel müssen dagegen durchgegart werden und im Inneren mindestens 70 °C erreichen. Schmorstücke wie Brisket oder Pulled Pork werden erst bei 90 bis 95 °C richtig zart. Mit einem Thermometer an der dicksten Stelle triffst du jeden dieser Werte zuverlässig, ganz gleich, ob du im Backofen, in der Pfanne oder beim Grillen garst.

Alle Kerntemperaturen von A bis Z

Zu vielen Fleischsorten und Gerichten haben wir einen eigenen Beitrag mit allen Garstufen, Garzeiten und Tipps zur Zubereitung. Hier findest du alle in der Übersicht:

Was die Kerntemperatur über dein Fleisch verrät

Die Kerntemperatur ist die Temperatur im Zentrum des Fleischs, also an der Stelle, die sich beim Garen zuletzt erwärmt. Erreicht der Kern den Zielwert, ist auch der Rest des Fleischstücks mindestens so weit gegart. Deshalb ist sie der verlässlichste Maßstab dafür, ob ein Steak medium ist oder ein Hähnchen durch.

Die Garzeit allein kann das nicht leisten. Zwei Steaks mit gleichem Gewicht garen unterschiedlich schnell, wenn eines dicker ist, direkt aus dem Kühlschrank kommt oder auf einer heißeren Stelle des Rosts liegt. Auch Wind, Außentemperatur und jedes Öffnen des Deckels verändern die Garzeit. Rezeptangaben in Minuten sind deshalb immer nur eine grobe Einschätzung.

Auch die Farbe täuscht. Geräuchertes Fleisch hat oft einen rosa Rauchring, obwohl es längst durchgegart ist. Gepökeltes Fleisch wie Kasseler oder Fleischkäse bleibt durch das Pökelsalz rosa, egal wie heiß es wird. Umgekehrt kann Hackfleisch im Inneren schon grau aussehen, bevor es sicher gar ist.

Für die Planung ist ein Thermometer ebenfalls Gold wert. Wenn Gäste kommen, siehst du am Verlauf der Temperatur, wann das Gericht fertig ist, und kannst Beilagen und Ruhezeit sauber darauf abstimmen.

Garraumtemperatur und Kerntemperatur sind zwei verschiedene Werte

Die Garraumtemperatur ist die Temperatur der Luft im Backofen oder unter dem Grilldeckel. Die Kerntemperatur folgt ihr mit Verzögerung und kann sie nie übersteigen. Je näher die beiden Werte beieinanderliegen, desto langsamer und gleichmäßiger gart das Fleisch. Genau das nutzt man beim Niedertemperaturgaren und beim Smoken.

Am Grill kommt ein Messproblem dazu: Das Deckelthermometer misst die Luft oben im Deckel, nicht auf Höhe des Rosts. Dort, wo das Fleisch liegt, kann es deutlich wärmer oder kühler sein. Wer genau arbeiten will, legt einen zusätzlichen Garraumfühler direkt neben das Grillgut.

Video: #REALTALK Warum die Deckeltemperatur EGAL ist! Hitze im Grill richtig nutzen! Auf unserem YouTube-Channel ansehen

Kerntemperatur nach Fleischsorte

Rind und Kalb

Rindfleisch am Stück ist das klassische Fleisch für rosa Garstufen. Mögliche Keime sitzen bei einem intakten Stück nur auf der Oberfläche und werden beim Anbraten abgetötet. Deshalb sind Steak, Roastbeef und Rinderfilet medium rare oder medium für gesunde Erwachsene unbedenklich und geschmacklich am besten.

Wie hoch du gehst, hängt vom Zuschnitt ab. Magere Cuts wie Rinderfilet oder Flanksteak werden über medium schnell trocken und zäh. Marmorierte Steaks wie Entrecôte oder Ribeye vertragen medium gut, weil dann das Fett im Inneren schmilzt. Bindegewebsreiche Stücke wie Brisket folgen einer ganz anderen Logik und brauchen 90 bis 95 °C.

Kalbfleisch ist heller, feiner und fettärmer als Rindfleisch. Es wird meist etwas höher gegart als ein Rindersteak, damit es zart und gleichzeitig saftig bleibt.

Alle Garstufen und Tipps zur Zubereitung einzelner Cuts findest du in unseren Beiträgen zur Entrecôte Kerntemperatur, Filet Kerntemperatur, Flanksteak Kerntemperatur und Brisket Kerntemperatur.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch rosa / medium durchgegart
Rindersteak (Entrecôte, Rumpsteak, Ribeye) 54 bis 58 °C ab 65 °C
Rinderfilet 54 bis 58 °C ab 65 °C
Roastbeef 54 bis 58 °C ab 65 °C
Flanksteak 52 bis 56 °C nicht empfohlen
Brisket nicht üblich 90 bis 95 °C (zart)
Kalbsfilet, Kalbsrücken 58 bis 62 °C ab 65 °C

Schwein

Schweinefleisch galt lange als Fleisch, das immer durch sein muss. Heute sind Schweinefilet und Schweinerücken mit zartrosa Kern bei 60 bis 63 °C Standard in der Küche. Hausschweine werden bei der Schlachtung in Deutschland amtlich auf Trichinen untersucht, das Risiko bei Fleisch aus dem Handel ist entsprechend gering.

Fettere Stücke wie Schweinenacken oder Bauch schmecken erst bei höheren Werten richtig gut. Bei 68 bis 72 °C schmilzt das eingelagerte Fett, das Fleisch wird saftig und entwickelt mehr Aroma. Ein Schweinebraten mit Kruste braucht 72 bis 76 °C, damit die Schwarte darüber Zeit hat, knusprig aufzupoppen. Pulled Pork aus der Schulter wird wie Brisket erst bei 90 bis 95 °C zart genug zum Zupfen.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch rosa / saftig durchgegart
Schweinefilet 60 bis 63 °C ab 65 °C
Schweinekotelett, Schweinerücken 60 bis 65 °C ab 68 °C
Schweinenacken nicht üblich 68 bis 72 °C
Schweinebraten mit Kruste nicht üblich 72 bis 76 °C
Pulled Pork nicht üblich 90 bis 95 °C (zart)

Hackfleisch und Wurst

Beim Wolfen werden Keime von der Oberfläche in die gesamte Masse verteilt, also auch in den Kern. Deshalb gilt für Hackfleisch, Brät und frische Bratwurst: Sie müssen durchgegart werden. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt eine Kerntemperatur von 70 °C für mindestens zwei Minuten.

Beim Burger gibt es eine Ausnahme mit klarer Grenze: Rosa Patties sind nur vertretbar, wenn das Rindfleisch frisch vom Stück gewolft wurde und von bester Qualität ist. Abgepacktes Hackfleisch gehört immer auf 70 °C. Bei Würsten kommt es auf die Sorte an: Rohe Bratwurst muss gar werden, gebrühte Würste sind schon vorgegart und müssen nur heiß werden. Fleischkäse bleibt durch das Pökelsalz auch bei 72 °C rosa, das ist kein Zeichen dafür, dass er roh ist.

Details zu Garzeiten und Zubereitung findest du in unseren Beiträgen zur Burger Kerntemperatur, Frikadellen Kerntemperatur, Bacon Bomb Kerntemperatur, Bratwurst Kerntemperatur und Fleischkäse Kerntemperatur.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch Kerntemperatur
Burger Patty ab 70 °C (rosa nur bei frisch gewolftem Rind vom Stück)
Frikadellen, Hackbraten, Bacon Bomb 70 bis 72 °C
Frikadellen aus Hähnchen- oder Putenhack 72 bis 75 °C
frische, rohe Bratwurst mind. 70 °C für 2 Minuten, ideal 72 bis 75 °C
gebrühte Bratwurst nur heiß werden lassen
Fleischkäse aus rohem Brät ca. 72 °C

Geflügel

Bei Geflügel sind Salmonellen und Campylobacter die typischen Erreger, deshalb wird es durchgegart. Innerhalb eines Tiers gibt es aber große Unterschiede. Hähnchenbrust ist mager und bei 75 °C perfekt saftig, darüber wird sie schnell faserig. Die Keule enthält mehr Bindegewebe und Fett und wird erst bei 80 bis 85 °C richtig zart. Beim ganzen Hähnchen misst du deshalb beide Teile getrennt.

Ente und Gans zählen ebenfalls zum Geflügel. Entenbrust wird in der Küche trotzdem gern rosa serviert. Das ist eine bewusste Entscheidung für Geschmack und Konsistenz. Für Schwangere, Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen sollte auch Ente durchgegart sein. Mehr dazu in unseren Beiträgen zur Brathähnchen Kerntemperatur und zur Entenbrust Kerntemperatur.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch Kerntemperatur
Hähnchenbrust 75 bis 80 °C
Hähnchenkeule 80 bis 85 °C
Putenbrust 75 bis 80 °C
Entenbrust rosa 58 bis 62 °C, durchgegart ab 70 °C

Lamm

Lammfleisch ist zart und hat einen kräftigen Eigengeschmack, der rosa am besten zur Geltung kommt. Edle Teilstücke wie Rücken, Karree und Filet gart man deshalb auf 55 bis 58 °C. Die Lammkeule ist ein dickes Stück mit mehr Bindegewebe, das meist im Backofen oder indirekt auf dem Grill gart. Rosa ist sie bei 60 bis 65 °C, durchgegart bei 70 bis 75 °C.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch rosa durchgegart
Lammrücken, Lammkarree, Lammfilet 55 bis 58 °C ab 65 °C
Lammkeule 60 bis 65 °C 70 bis 75 °C

Wild

Wildfleisch ist sehr mager und wird schneller trocken als Fleisch vom Hausrind. Reh und Hirsch werden deshalb meist rosa gegart, ähnlich wie Lamm. Ein Hirschrücken ist bei 55 bis 60 °C rosa, ein Rehrücken bei etwa 60 °C.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Wildfleisch grundsätzlich, es zwei Minuten bei mindestens 70 °C vollständig zu erhitzen. Rosa Reh- und Hirschrücken aus einwandfreier Herkunft sind in der Küche trotzdem üblich. Wer auf maximale Sicherheit setzt oder für Risikogruppen kocht, gart auch sie durch.

Beim Wildschwein gibt es keine Ausnahme. Es kann laut BfR unter anderem das Hepatitis-E-Virus und Trichinen tragen. Wildschwein, auch ein zartes Wildschweinfilet, wird deshalb nie rosa serviert. Mit 72 bis 75 °C im Kern liegst du sicher über dem Mindestwert.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch rosa durchgegart
Hirschrücken 55 bis 60 °C ab 65 °C
Rehrücken ca. 60 °C ab 65 °C
Wildschwein, auch Wildschweinfilet nicht rosa servieren 72 bis 75 °C

Die Garstufen erklärt: von blue rare bis well done

Die Garstufen stammen aus der Steakküche und beschreiben, wie weit ein Stück durchgegart ist. Sie gelten vor allem für Rindfleisch, Lamm und Wild. Auf Deutsch heißt rare blutig, medium rosa oder halb durch und well done durchgebraten.

Tabelle seitlich wischen

Garstufe deutsch Kerntemperatur Kern
Blue rare fast roh unter 45 °C nur außen gegart
Rare blutig 46 bis 50 °C roh, dunkelrot
Medium rare rosa bis blutig 52 bis 55 °C rot bis kräftig rosa
Medium rosa, halb durch 56 bis 58 °C gleichmäßig rosa
Medium well fast durch 60 bis 62 °C nur noch leicht rosa
Well done durchgebraten ab 65 °C grau, durchgegart

Hinter den Stufen steckt, was das Eiweiß im Fleisch bei steigender Temperatur macht. Ab etwa 50 °C beginnen die ersten Muskeleiweiße zu gerinnen, das Fleisch wird fester. Zwischen 60 und 65 °C verliert der rote Muskelfarbstoff seine Farbe, das Rosa verschwindet. Ab etwa 65 °C ziehen sich die Muskelfasern stark zusammen und pressen Fleischsaft heraus. Deshalb wird ein mageres Steak well done spürbar trockener als medium.

Für die meisten Steaks ist medium rare bis medium das beste Ergebnis. Stark marmorierte Cuts profitieren eher von medium, magere Stücke wie Rinderfilet eher von medium rare.

Video: Die PERFEKTE Kerntemperatur beim Steak?! Alle Garstufen erklärt von Blue Rare - Medium - Well done Auf unserem YouTube-Channel ansehen

Wann Fleisch sicher ist

Behörden wie das BfR und die Verbraucherzentralen empfehlen, Fleisch so zu erhitzen, dass es an allen Stellen mindestens zwei Minuten lang 70 °C erreicht. Diese Empfehlung ist bewusst vorsichtig formuliert. Für die Praxis lohnt es sich, nach Art des Fleischs zu unterscheiden:

  • Ganzes Stück von Rind, Kalb und Lamm: Keime sitzen außen und sterben beim Anbraten. Rosa ist für gesunde Erwachsene unbedenklich.
  • Schweinefilet und Schweinerücken: Zartrosa ist heute üblich, das Fleisch aus dem Handel ist auf Trichinen untersucht.
  • Hackfleisch, Brät und frische Bratwurst: Keime sind im gesamten Fleisch verteilt. Immer 70 °C für mindestens zwei Minuten.
  • Geflügel: Immer durchgaren, Ente ist die bekannte Ausnahme mit Restrisiko.
  • Wildschwein: Immer durchgaren, ohne Ausnahme.

Die zwei Minuten Haltezeit klingen umständlich, sind aber leicht einzuhalten. Ein Braten oder eine dicke Frikadelle steigt nach Erreichen von 70 °C ohnehin noch weiter an und bleibt lange über dem Wert. Bei dünnen Stücken wartest du nach der Messung einfach noch kurz, bevor du sie vom Grill nimmst.

Für bestimmte Personen gilt eine strengere Regel. Laut BfR sollten Schwangere, Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kein Fleisch essen, das nicht vollständig durchgegart ist, ausdrücklich auch kein rosa Steak und keine rosa Entenbrust. Das BfR empfiehlt die 70 °C außerdem beim Aufwärmen von Resten.

Ab welcher Temperatur wird Fleisch zart?

Bei der Zartheit gibt es zwei völlig unterschiedliche Arten von Fleisch. Kurzbratstücke wie Filet, Rücken oder Steaks sind von Natur aus zart. Bei ihnen macht mehr Temperatur das Fleisch nicht zarter, sondern über 60 bis 65 °C fester und trockener.

Ganz anders ist es bei Stücken mit viel Bindegewebe, etwa Brisket, Schweinenacken, Schulter oder Beinscheibe. Ihr Kollagen wandelt sich erst bei hohen Temperaturen und über lange Zeit in Gelatine um. Ab etwa 70 °C kommt dieser Prozess in Gang, wirklich zart wird das Fleisch meist erst zwischen 88 und 95 °C. Beim Smoken bleibt die Kerntemperatur dabei oft stundenlang bei 65 bis 75 °C stehen. Diese Plateauphase entsteht, weil Feuchtigkeit an der Oberfläche verdunstet und das Fleisch kühlt. Sie ist normal und kein Fehler.

Beim Schmoren und Kochen in Flüssigkeit spielt die Kerntemperatur eine kleinere Rolle. Das Fleisch nähert sich mit der Zeit ohnehin der Temperatur der Flüssigkeit an, entscheidend ist die Dauer. Ein gutes Beispiel ist Tafelspitz: Er wird nicht gegrillt, sondern rund 2,5 bis 3 Stunden in Wasser knapp unter dem Siedepunkt gegart. Statt einer Zielgradzahl entscheidet hier die Gabelprobe: Gleitet die Fleischgabel ohne Widerstand hinein, ist er fertig.

Für Low and Slow auf dem Grill ist ein Smoker die passende Garmethode, weil er die Garraumtemperatur über viele Stunden konstant bei 110 bis 120 °C hält.

Niedertemperatur garen: so funktioniert es

Beim Niedertemperaturgaren liegt die Garraumtemperatur nur wenig über der gewünschten Kerntemperatur, klassisch bei etwa 80 °C im Backofen. Das Fleisch gart dadurch sehr gleichmäßig. Statt eines grauen Rands und eines rosa Kerns ist es von außen bis innen fast einheitlich rosa und verliert weniger Saft. Ein weiterer Vorteil ist das große Zeitfenster: Weil der Kern so langsam steigt, schießt du kaum über das Ziel hinaus.

So gehst du vor:

  1. Anbraten: Brate das Fleischstück zuerst rundherum scharf in der Pfanne oder auf dem Grill an. Das bringt Kruste und Röstaromen und tötet Keime an der Oberfläche ab.
  2. Thermometer setzen: Stecke den Fühler in die dickste Stelle und stelle den Zielwert ein.
  3. Garen bei 80 °C: Lege das Fleisch in den vorgeheizten Backofen und lass es dort, bis der Zielwert erreicht ist.
  4. Servieren: Eine lange Ruhezeit brauchst du danach kaum, weil das Fleisch kaum nachzieht.

Wie lange braucht Fleisch bei 80 Grad? Das hängt vor allem von der Dicke ab, nicht vom Gewicht. Als grobe Orientierung braucht ein Mittelstück vom Rinderfilet oder ein Roastbeef nach dem Anbraten meist zwei bis vier Stunden bis medium, dicke Braten deutlich länger. Gegen Ende steigt die Kerntemperatur nur noch sehr langsam, deshalb verlässt du dich hier auf das Thermometer und nicht auf die Uhr.

Die Methode eignet sich für Rind, Kalb, Lamm, Wild und Schweinefilet. Für Geflügel und Hackfleisch ist sie weniger geeignet: Bei 80 °C Garraum braucht der Kern sehr lange, um sicher über 70 °C zu kommen. Hähnchen gart deshalb besser bei 160 bis 180 °C indirekter Hitze.

Kerntemperatur richtig messen

Der richtige Messpunkt

  • Dickste Stelle: Der Fühler gehört in die Mitte der dicksten Stelle. Die Spitze muss genau im Zentrum sitzen, denn dort sitzt bei den meisten Thermometern der Sensor.
  • Kein Kontakt zu Knochen, Fett oder Hohlräumen: Knochen leiten Wärme anders, Fett und Hohlräume verfälschen den Messwert.
  • Seitlich bei flachen Stücken: Steaks, Burger Patties und Frikadellen misst du von der Seite, damit die Spitze sicher in der Mitte landet.
  • Geflügel doppelt messen: Beim ganzen Hähnchen misst du die Brust und die Innenseite der Keule, ohne den Knochen zu berühren.
  • Große Stücke an mehreren Stellen: Bei Braten oder Brisket lohnt eine zweite Messung. Es zählt immer der niedrigste Wert.

Welches Thermometer wofür?

Ein Einstechthermometer zeigt den Wert nach wenigen Sekunden und ist ideal für Steaks, Burger und schnelle Kontrollen. Für Braten, Geflügel und lange Garzeiten im Smoker ist ein Grillthermometer mit Kabelfühler die bessere Wahl. Der Fühler bleibt während des gesamten Garens im Fleisch, und je nach Modell überwacht ein weiterer Fühler die Garraumtemperatur. Kabellose Funkthermometer stecken komplett im Fleisch und senden den Wert per App aufs Smartphone. Das ist praktisch bei geschlossenem Deckel oder am Drehspieß, wo kein Kabel stören darf.

Analoge Bratenthermometer funktionieren auch, reagieren aber träge und sind schwerer genau abzulesen. Für Steaks und andere dünne Stücke sind sie kaum geeignet.

Video: Die besten Kernthermometer / Grillthermometer / Fleischthermometer im Vergleich Auf unserem YouTube-Channel ansehen

Thermometer im Eiswasser prüfen

Auch gute Geräte können mit der Zeit abweichen. Ein Fehler von zwei oder drei Grad macht aus medium schnell medium well. Mit Eiswasser prüfst du dein Thermometer in wenigen Minuten:

  1. Fülle ein Glas randvoll mit Eiswürfeln und gieße kaltes Wasser auf.
  2. Rühre kurz um und warte etwa eine Minute.
  3. Halte den Fühler in die Mitte des Glases, ohne Boden oder Wand zu berühren.
  4. Das Thermometer sollte 0 °C anzeigen. Weicht es ab, kalibrierst du es, sofern das Modell das erlaubt, oder rechnest die Abweichung beim Messen ein.

Kochendes Wasser eignet sich nur bedingt als zweiter Test. Es hat nur auf Meereshöhe genau 100 °C, mit jeden rund 300 Höhenmetern siedet es etwa ein Grad niedriger.

Druckprobe oder Thermometer?

Bei der Druckprobe drückst du mit dem Finger auf das Fleisch und vergleichst den Widerstand mit deinem Handballen. Mit viel Erfahrung liefert sie eine brauchbare Einschätzung. Sie hängt aber stark vom Zuschnitt, vom Fettgehalt und von der eigenen Hand ab. Bei dicken Stücken, Geflügel und Hackfleisch ist sie keine sichere Methode. Das Thermometer liefert dagegen einen objektiven Wert und macht die richtige Garstufe auch für Einsteiger zu keiner Kunst.

Nachziehen und Ruhezeit

Nach dem Garen steigt die Kerntemperatur durch die Restwärme in den äußeren Schichten noch an. Bei Steaks sind es etwa 1 bis 3 °C, bei großen Braten 3 bis 5 °C. Nimm das Fleisch deshalb kurz vor dem Zielwert vom Grill oder aus dem Backofen. Bei Hackfleisch und Geflügel ist das anders: Hier muss der Mindestwert schon beim Herausnehmen erreicht sein.

In der Ruhezeit beruhigen sich die Muskelfasern, und der Fleischsaft verteilt sich wieder. Schneidest du zu früh an, läuft er aufs Brett, und das Fleisch wird trockener. Decke es locker ab, statt es fest in Folie zu wickeln, sonst wird die Kruste weich.

Tabelle seitlich wischen

Fleisch Ruhezeit
Steaks, Burger Patties 2 bis 5 Minuten
Filet am Stück, Hähnchen 5 bis 10 Minuten
Braten, Lammkeule 10 bis 15 Minuten
Brisket, Pulled Pork mindestens 30 bis 60 Minuten

Typische Fehler bei der Kerntemperatur

  • Nach dem Deckelthermometer garen: Es zeigt die Luft im Deckel, nicht die Temperatur im Fleisch und oft nicht einmal die auf dem Rost.
  • Am Knochen messen: Knochen leiten Wärme anders als Fleisch und verfälschen den Wert. Der Fühler gehört ins Muskelfleisch daneben.
  • Das Nachziehen vergessen: Wer ein dickes Stück erst beim Zielwert vom Grill nimmt, landet nach der Ruhezeit eine Garstufe höher.
  • Der Farbe vertrauen: Rauch, Pökelsalz und Hackfleisch führen dich in beide Richtungen in die Irre. Nur das Thermometer zeigt verlässlich, ob Fleisch gar ist.
  • Zu früh anschneiden: Ohne Ruhezeit verlierst du Saft und damit ein Stück vom Fleischgenuss.
  • Das Thermometer nie prüfen: Ein ungenaues Gerät nützt nichts, egal wie sorgfältig du misst. Der Eiswasser-Test dauert nur eine Minute.

Fazit

Die Fleisch Kerntemperatur folgt einer klaren Logik: Rind, Kalb und Lamm am Stück dürfen rosa bleiben, Hackfleisch, Bratwurst, Geflügel und Wildschwein müssen mindestens 70 °C erreichen, und Schmorstücke wie Brisket oder Pulled Pork werden erst bei 90 bis 95 °C zart. Mit einem geprüften Thermometer an der dicksten Stelle, ein bis drei Grad Puffer für das Nachziehen und der passenden Ruhezeit triffst du jede Garstufe.

Häufige Fragen zur Fleisch Kerntemperatur

Welche Kerntemperatur muss Fleisch haben?

Das hängt von der Fleischsorte ab. Ein Rindersteak ist bei 54 bis 58 °C rosa, Schweinefilet bei 60 bis 63 °C. Hähnchenbrust braucht 75 bis 80 °C, Hackfleisch mindestens 70 °C für zwei Minuten.

Welche Kerntemperatur hat Rindfleisch medium?

Rindfleisch medium hat eine Kerntemperatur von 56 bis 58 °C. Medium rare liegt bei 52 bis 55 °C, well done ab 65 °C.

Welche Kerntemperatur braucht Hackfleisch?

Hackfleisch muss im Kern mindestens zwei Minuten lang 70 °C erreichen. Die oft genannten 71 °C stammen aus amerikanischen Empfehlungen, die mit 160 °F rechnen. Hackfleisch aus Hähnchen oder Pute bringst du auf 72 bis 75 °C.

Welche Kerntemperatur braucht Hähnchenbrust?

Hähnchenbrust ist bei 75 °C saftig und sicher gegart. Über 80 °C wird sie schnell trocken. Die Keule braucht mit 80 bis 85 °C mehr.

Welche Kerntemperatur hat Lammkeule?

Eine Lammkeule ist bei 60 bis 65 °C rosa. Durchgegart ist sie bei 70 bis 75 °C.

Welche Kerntemperatur braucht Wildschwein?

Wildschwein wird immer durchgegart, weil es Trichinen und das Hepatitis-E-Virus tragen kann. Mit 72 bis 75 °C im Kern liegst du sicher über dem Mindestwert von 70 °C.

Welche Kerntemperatur hat Reh?

Rehrücken ist bei etwa 60 °C rosa und ab 65 °C durchgegart. Für Risikogruppen sollte auch Reh vollständig durchgegart sein.

Welche Kerntemperatur braucht Pulled Pork?

Pulled Pork ist bei 90 bis 95 °C fertig. Erst dann ist das Bindegewebe so weit geschmolzen, dass sich das Fleisch leicht zupfen lässt.

Welche Kerntemperatur hat Tafelspitz?

Tafelspitz wird nicht auf eine bestimmte Kerntemperatur gegart, sondern rund 2,5 bis 3 Stunden in Wasser knapp unter dem Siedepunkt. Fertig ist er, wenn eine Fleischgabel ohne Widerstand hineingleitet.

Wann muss ich das Fleisch vom Grill nehmen?

Steaks nimmst du 1 bis 3 °C vor dem Zielwert vom Grill, große Braten 3 bis 5 °C vorher. Hackfleisch und Geflügel bleiben auf dem Grill, bis der Mindestwert erreicht ist.

Wo misst man die Kerntemperatur bei Fleisch?

Immer in der Mitte der dicksten Stelle, ohne Kontakt zu Knochen oder Fett. Bei flachen Stücken wie Steaks misst du von der Seite.